Doku „Prison Dogs. Hunde im Knast“ – Rezension und Einsatzmöglichkeiten im Unterricht

Die Dokumentation Prison Dogs. Hunde im Knast von Perri Peltz und Geeta Gandbhir zeigt ein ungewöhnliches Projekt in einem US-amerikanischen Gefängnis, in dem Assistenzhunde für traumatisierte Kriegsveteranen ausgebildet werden. Die 45-minütige Reportage begleitet die Gefängnisinsassen, die Projektleiter_innen sowie vier Labradorwelpen während der zweijährigen Ausbildung und endet mit deren Übergabe  an die Soldat_innen.

Filmplakat zur Dokumentaion „Prison Dogs“. Quelle: Facebookseite von Prison Dogs Film https://de-de.facebook.com/PrisonDogsFilm/

Die Dokumentation besteht zunächst aus zwei Handlungssträngen, die nach ca. 30 Minuten zusammengeführt werden. Der erste Handlungsstrang beleuchtet die Ausbildung der Hunde durch die Häftlinge und der Hundetrainerin Gloria Gilbert Stoga, der zweite beschreibt die Realität der Kriegsveteranen.

Prison dogs. Hundeschule im Knast ist noch bis zum 09.04.2017 in der ZDF-Mediathek  verfügbar. Danach kann die Sendung gegen eine Gebühr beim ZDF bestellt werden: ZDF Bestellservice, ZDF-Straße 1, 55127 Mainz, 02225-926185, programmservice@zdf.de

Die Originalfassung in englischer Sprache ist über Amazon erhältlich.

Die Altersfreigabe liegt bei sechs Jahren.

 

Die Häftlinge und Zeit der Ausbildung

Prison Dogs beginnt mit der Übergabe der kleinen Labradorwelpen an die Gefängnisinsassen, welche die Hunde über die nächsten zwei Jahre zu Assistenzhunden ausbilden werden. Den zu langen Haftstrafen verurteilten Männern steht schon in den ersten Szenen die Aufregung, Vorfreude und das Lachen ins Gesicht geschrieben.

Ein „Puppy Behind Bars“. Quelle: Facebookseite Prison Dogs Film https://de-de.facebook.com/PrisonDogsFilm/

Während der Reportage kommen nach und nach die mit der Ausbildung betreuten Männer zu Wort und es wird schnell deutlich, dass es sich hier um ‚wirklich harte Jungs‘ handelt, die nicht aufgrund eines Kavalierdeliktes einsitzen müssen. Zugleich erfährt der Zuschauer, was für eine immense Bedeutung die Teilnahme an diesem Projekt und die damit verbundene Möglichkeit, eine andere Seite von sich zeigen zu können, für diese Männer hat. Da ist zum Beispiel Luis Diaz, der seit seinem neunzehnten Lebensjahr wegen Mordes inhaftiert ist und nun Murphy ausbilden wird. Er sehe das Projekt als eine zweite Chance, etwas richtig zu machen (Peltz/Gandbhir 2017: 03:45). Sein Kollege Luis Martinez reflektiert, dass er noch nie etwas großgezogen habe, denn er kenne nur seinen ältesten Sohn. Er wolle beweisen, dass er diese Aufgabe bewältigen könne. Nun sei es seine Aufgabe, seinem Hund Fethra die Liebe zu geben, die das Tier brauche (Peltz/Gandbhir 2017: 04:10-04:55).

Unterbrochen werden die Portraits der Insassen durch das Training der Hunde. Es wird gezeigt, wie die Fellnasen bei einem Albtraum ihres Menschen das Licht anschalten sowie ihnen ggf. die Decke wegziehen. So unterbrechen sie den kräftezehrenden Traum und holen den Betroffenen in die Realität zurück. Ebenso lernen sie den Notruf zu aktivieren.

Während einer dieser Trainingseinheiten wird auch die beeindruckende Persönlichkeit und Hundetrainerin Gloria Gilbert Stoga eingeführt. Sie ist von den Bildern des Krieges schockiert und beschließt etwas zu tun. Schließlich initiiert sie das Projekt Puppies Behind Bars. Mit imposanter Konsequenz, Courage und Klarheit leitet sie ihre sechsbeinigen Teams im Training an und scheut sich nicht  – wie im Laufe der Sendung gezeigt wird – auch schwere Entscheidungen zu treffen. Aufgrund ihrer Strenge und Konsequenz zollen ihr die Häftlinge höchsten Respekt (Peltz/Gandbhir 2017: 10:43-12:40).

Luis Martínez mit einem Kollegen in der Dokumentation Prison Dogs. Quelle: Facebookseite Prison Dogs Film https://de-de.facebook.com/PrisonDogsFilm/

Die Veteranen

Nach den ersten fünfzehn Minuten werden die Veteranen eingeführt. Mark Beam, ein im Afghanistankrieg traumatisierter Soldat, erleidet einen Flashback und springt schließlich mit einer Schrotflinte bewaffnet durch ein geschlossenes Fenster. Ein Vorfall, der Mark und seine Familie nachhaltig bewegt und die erschreckenden Folgen einer Traumatisierung verdeutlicht. Die Diagnose Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) hat das Leben der Familie vollständig verändert. Mark leidet unter den typischen Symptomen wie Depressionen, schweren Albträumen und Mühe bei der Bewältigung des Alltages. Tracy Pennycuick hat in Kuweit gedient und ist ebenfalls mit einer Posttraumatischen Belastungsstörung diagnostiziert worden, welche sich in Ängsten und sozialem Rückzug äußert. Ihr wird es besonders schwerfallen, das Gefängnis für das Übergabetraining zu betreten.

 

Die Übergabe der Hunde  

Während die Trainer sich auf das Loslassen ihrer Hunde vorbereiten müssen, haben Mark und Tracy nun die große Aufgabe, sich auf das Leben mit einem PTBS-Servicehund einzulassen. Über zwei Wochen werden sie mit einem gemeinsamen Training im Gefängnis auf ihre tierischen Begleiter vorbereitet. Für die Zwei bedeutet dies auch, sich ihren Ängsten zu stellen und dass sie sich – allein schon durch die Begleitung des Hundes –  in der Öffentlichkeit zu ihrem Handicap bekennen müssen. In Rollenspielen, die auf Reaktionen der Mitmenschen in Alltagssituationen vorbereiten sollen, wird genau diese Problematik insbesondere für Mark deutlich.

 

Die Dokumentation im Schulunterricht

Prison Dogs. Hunde im Knast ist vielfältig im Unterricht einsetzbar. Dabei kann die Reportage sowohl in Intervallen als auch im Ganzen gesehen werden. Des Weiteren kann sie zum einen in Unterrichtseinheiten zum Thema „Heim- und Haustiere“ oder zum Thema „Hundeberufe“ integriert werden.

Aufgaben für fächerübergreifenden Unterricht

  • Erläutere die Wirkung von Hunden auf Menschen am Beispiel einer in der Dokumentation portraitierten Person. Dies kann ein Ausbilder  oder ein Soldat sein. Denke an eine Einleitung, in der du die von dir ausgewählte Person vorstellst und an einen Schlussteil, der deine Beobachtungen zusammenfasst. Nimm zu dem Projekt Stellung!
  • Mark und Tracy merken schnell, dass es ihnen besser geht. Überlege, welche Verbesserungen sich noch durch das gemeinsame Leben mit dem Hund einstellen werden. Einige Hinweise geben dir die eingeübten Fähigkeiten der Hunde.
  • Das Leben von Mark und Tracy wird sich nun sehr verändern. Beschreibe, wie sich ihr Leben durch den Hund verändern wird. Hast du einen Hund oder sogar mehrere? Wie hat sich dein Leben dadurch verändert? Was sind Vor- und Nachteile bei der Hundehaltung?

Deutsch

  • Charakterisiere eine in der Reportage vorgestellte Person. Erkläre dabei, was dich an der Person überrascht hat und erläutere, ob und wie das Projekt diese Person verändert oder beeinflusst hat. Denke bitte an eine Einleitung und an einen Schlussteil, der deine Ergebnisse zusammenfasst.
  • In den ersten Szenen des Films lernen die Hunde ihre Ausbilder kennen. Sowohl für die Hunde als auch für die Menschen ist das ein aufregender Moment. Versetze dich in die Lage eines Hundes oder eines Menschen und schreibe zu dem ersten Treffen einen inneren Monolog.
  • Nach der Ausbildung lernen die Hunde ihre neuen Besitzer_innen kennen. Sowohl für die Hunde als auch für die Menschen ist das ein aufregender Moment. Versetze dich in die Lage eines Hundes oder eines Menschen und schreibe zu der ersten Begegnung einen inneren Monolog.
  • Stell dir vor, du bist ein Gefängniswärter und beobachtest die Ausbilder bei ihrer Arbeit mit den Hunden. Schreibe in einem inneren Monolog deine Gedanken auf!
  • Du bist Reporter einer Tageszeitung und hast von dem Projekt gehört. Dich fasziniert die Idee so sehr, dass du einen Artikel darüber schreibst.
  • Du bist Reporter einer Tageszeitung und hast von dem Projekt gehört. Dich fasziniert die Idee so sehr, dass du in das Gefängnis fährst und dort ein vorbereitendes Interview für einen Zeitungsartikel führst. Wähle eine Person aus.
  • Stell dir vor, du bist einer der Regisseure der Dokumentation. Nach ihrer Entlassung besuchst du die Ausbilder und filmst eine Fortsetzung der Reportage. Was ist aus den Männern geworden? Wie sprechen sie heute von dem Projekt. Verwende die Kamera in deinem Handy und erstelle eine fünfminütige, fiktive Folgedokumentation zu der gesehenen. Denk an einen Vor- sowie Abspann.
  • Stell dir vor, du bist einer der Hunde und schon sehr alt. Du blickst auf dein Hundeleben mit deinem Veteranen zurück. Schreibe einen Aufsatz von ca. einer Din-A4-Seite.

Englisch

Der Film ist bei Amazon in der englischen Originalfassung erhältlich! Viele der oben genannten Aufgaben sind auch im Englischunterricht umsetzbar!

Andere Fremdsprachen/Neue Medien

  • Mediation in die jeweilige Zielsprache durch das Verfassen von Untertiteln.

Berufsbildende/-orientierende Fächer

  • Die Bundeswehr ist für viele ein attraktiver Arbeitgeber, der viele Chancen und Möglichkeiten bietet. Informiere dich über den Tätigkeit des Soldaten und erläutere Chancen und Risiken des Berufes.

Darstellendes Spiel

  • Stell dir vor, du bist einer der Regisseure der Dokumentation. Nach ihrer Entlassung besuchst du die Ausbilder und filmst eine Fortsetzung der Reportage. Was ist aus den Männern geworden? Wie sprechen sie heute von dem Projekt. Verwende die Kamera in deinem Handy und erstelle eine fünfminütige, fiktive Folgedokumentation zu der gesehenen. Denk an einen Vor- sowie Abspann.

PGW/Philosophie/Ethik (Oberstufe)

  • Lektüre Foucault, Michel (1977): Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses. Berlin: Suhrkamp mit anschließender Reflektion über die Chancen und Grenzen von Gefängnissen.
  • Einbettung in eine kritisch-hinterfragende Unterrichtseinheit zum Sinn und Unsinn von Kriegen.

 

Fazit

Prison Dogs hat mich – obwohl ich von dem Projekt schon wusste – in vielerlei Hinsicht nachhaltig beeindruckt, denn sie macht Hoffnung! Schon nach kurzer Zeit bemerken sowohl die ausbildenden Männer als auch die Veteranen durch den Kontakt mit den Hunden eine signifikante Verbesserung ihrer Lebensqualität.

Die Dokumentation ist klug aufgebaut. Durch die erste Begegnung mit den Welpen und die ehrliche Aufregung der Insassen wirken diese sofort sympathisch. Die Tatsache, dass sie schwere Straftaten begangen haben, tritt auch im Verlauf der Dokumentation völlig in den Hintergrund. Dies ermöglicht beim Zuschauer eine sonst kaum herzustellende Offenheit gegenüber den Insassen des Gefängnisses. Es ist eine Freude zu sehen, wie die ‚harten Jungs‘ in die motivierende Hundeintonation fallen und sich auf ihre neuen Fellfreunde einlassen können. Der Zuschauer kann dadurch die portraitierten Menschen als das wahrnehmen, was sie in erster Linie sind: Menschen. Auf diesem Wege gibt der Zuschauer  – wenn auch nicht im direkten Kontakt – den Ausbildern die so dringend  zweite Chance.

Beeindruckend sind auch die Gedanken der Männer zu ihren Taten und zu dem Projekt. Und genau mit diesen Gedanken wirft der Film schließlich am Ende die von Luis Diaz gestellte ethische und gesellschaftliche Fragen auf: Dürfen die Ausbilder auf ihre Leistung, die sie mit dem Training der Assistenzhunde umgesetzt haben, die jedoch zugleich einem schweren Verbrechen – ohne dieses wären sie nicht in dem Projekt – entsprungen ist, stolz sein? Oder ist mit einer gravierenden Tat das Recht auf Stolz sowie Anerkennung einer großartigen Leistung verwirkt?

Jedoch bekommen nicht nur die Ausbilder eine zweite Chance. Auch die Veteranen brauchen und bekommen diese: Sie können erwiesenermaßen ihre Lebensqualität erheblich steigern. Und auch traumatisierten Menschen fällt es aufgrund ihrer Erlebnisse schwer, sich emotional auf andere einzulassen. Der Hund mit seiner Treue und Unvoreingenommenheit kann sowohl für die Gefängnisinsassen als auch die Soldat_innen ein wesentlicher Schritt wenn nicht zur Heilung, doch zumindest zur Besserung sein.  

Quellenangabe zum Film

Peltz, Perri und Gandbhir, Geeta (2017): Prison Dogs. Hunde im Knast. Mainz: ZDFinfo. 45 Minuten.

 

Weiterführende Informationen:

Eckhardt, Carmen (2010): tag 7. Ex-Soldat im Friedenseinsatz. Köln: WDR

Eekmann, Piet (2008): PTBS – Unsichtbar verwundet. Mainz: ZDF, in Zusammenarbeit mit Arte TV

Foucault, Michel (1977): Überwachen und Strafen: Die Geburt des Gefängnisses. Berlin: Suhrkamp.

N.N. (ohne Jahr): Die Story. Irak-Trauma. US-Soldaten berichten. Ohne Ort: Arte TV.

Schultes, Bea (2017): PTBS-Assistenzhund Valentino. Beas Bärenbrüder. http://www.assistenzhund-valentino.de/ Beilstein. Letzter Zugriff: 11.03.2017

Sedlatzek-Müller (2012): Soldatenglück. Mein Leben nach dem Überleben. Hamburg: Edel Germany.

Singer, Herbert und Radoiu, Adrian (ohne Jahr): Wenn die Seele schreit – der Film. ohne Ort: PIZ-TV Sanitätsdienst. https://ptbs-hilfe.de/kopf-und-seele/filmportraet.html

Thomas, Claude AnShin (2008): Am Tor zur Hölle. Der Weg eines Soldaten zum Zen-Mönch. Stuttgart: Theseus.

Verein zur Förderung hundegestützter Interventionen bei Traumatisierung und PTBS e.V. (ohne Jahr): H.I.T Hunde – Hundegestützte Interverntion (bei) Trauma. Internetseite des Vereins. http://hit-hunde.com/ Leverkusen. Letzter Zugriff: 11.03.2017

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