Hundekino: Der Kurzfilm Vicky von Manu Antony – ein Plädoyer für die Freiheit

Filmplakat Vicky
Das Plakat bietet sich für die Hypothesenbildung vor der Filmvorführung an. Quelle: marvaatretrospect (2016): Retrospect. https://restrospect.wordpress.com. Letzter Zugriff: 02.09.2017

Der zehnminütige Kurzfilm Vicky des indischen Regisseurs Manu Antony begleitet den vierbeinigen Protagonisten „Vicky“  während einer nicht näher definierten erzählten Zeit. Der Film ist konsequent aus der Perspektive des Hundes gedreht und hat auf Grund seiner kurzen Erzählzeit sowie seiner Thematik ein großes Potential für den Unterricht. Er ist auf YouTube frei verfügbar. Ebenso stehen ein Making of… sowie ein Teaser zur Verfügung.

 

Inhalt

Vicky lebt in einer ländlichen Gegend mit seinem Herrchen zusammen. Die Vegetation in der Umgebung des Hauses und Kleidung des Herrchen lassen darauf schließen, dass der Film in Indien spielt, was für den weiteren Verlauf der Handlung jedoch keine Rolle spielt.

Vicky wird am Morgen von seinem Herrchen begrüßt und muss dann allein zu Hause bleiben. Ungeduldig wartend vertreibt er sich die Zeit und hofft auf einen saftigen Leckerbissen bei der Rückkehr seines Menschen. Enttäuscht muss Vicky feststellen, dass sein Mensch kein Leckerbissen, sondern einen Käfig mit zwei Papageien mitbringt. Diese wohnen von nun an in ihrem Käfig auf der Veranda, so dass Vicky Gesellschaft hat, die ihn jedoch sichtlich nachdenklich stimmt.

Vicky und seine neuen Mitbewohner: Zwei Papageien, die in einem kleinen Käfig ausharren müssen. (Antony 2016: 04:30)

Plötzlich rennt Vicky los und fällt unvermittelt in eine tiefe Grube, aus der er sich nicht allein zu befreien vermag. Verängstigt und hilflos wartet er auf seine Rettung.

Als Vicky schließlich wieder erwacht, liegt er bei dem Vogelkäfig auf der Veranda. Nach seiner Gefangenschaft in der Grube öffnet Vicky die Tür des Vogelkäfigs. Die beiden Papageien können ihren Käfig verlassen und von nun an in Freiheit leben. Den Käfig versenkt Vicky in einem Fluss.

 

Der Kurzfilm Vicky im Unterricht

Bei der Arbeit mit Filmen im Unterricht sollte in drei Schritten vorgegangen werden. Es empfiehlt sich zunächst eine Einstimmung auf die Thematik und den Charakter des Films mit einer das Vor- und Weltwissen aktivierenden Aufgabe. Im zweiten Schritt folgt die Vorführung des Films, die wiederum mit einer Aufgabe die Aufmerksamkeit der Schüler_innen fokussieren sollte. Zum Abschluss findet dann eine Auseinsandersetzung mit dem Thema des Films statt.  

 

Vor der Filmvorführung

Es bietet sich an, das Filmplakat an der Tafel anzubringen oder auf das Smartboard zu projizieren und die Kinder Hypothesen zur Filmhandlung bilden zu lassen. Dies geht in den üblichen Sozialformen wie Partner- oder Gruppenarbeit. Methodisch kann die Hypothesenbildung mittels Placemat oder einem Brainstorming erfolgen. Ebenso kann statt des Filmplakates in dieser Phase der Teaser zum Film genutzt werden.

Alternativ kann das Filmplakat auf mehrere Flipchart-Plakate geklebt werden und die Hypothesenbildung über ein stummes Schreibgespräch erfolgen.

 

 Die Filmvorführung

Bei der eigentlichen Vorführung des Films sind zwei Verfahren möglich. Zum einen kann der Film ganz angeschaut werden, zum anderen kann der Film an einer Stelle angehalten und zunächst von den Schüler_innen fortgeschrieben werden. Im Anschluss werden die Ideen der Schüler_innen mit der Originalversion verglichen.

 Die Vorführung des ganzen Films

Um die Aufmerksamkeit der Schüler_innen auf die wesentlichen Inhalte des Films sowie verwendeten filmischen Mittel zu lenken, arbeite ich gerne mit begleitenden Arbeitsbögen, die während der Vorführung zu beantworten sind. Hierbei ist insbesondere hinsichtlich der Zeitplanung zu beachten, dass der Film für die weiterführenden Aufgaben ein zweites Mal gesehen werden sollte.

Das begleitende Arbeitsblatt zum Film kannst du hier herunterladen.

Nach dem ersten Sehen des Films werden die Antworten auf dem Arbeitsblatt verglichen. Folgend wird der Film ein zweites Mal gezeigt. Bei der zweiten Vorführung sind verschiedene Aufgabenstellungen möglich:

 

Nutzen der Leerstelle

Vicky weist eine Leerstelle, nämlich die Rettung des Protagonisten auf. Hier geben nur die eingespielten Geräusche einen Hinweis auf die Rettung Vickys. Ebenso ist die Reaktion des Herrchens nicht im Film verarbeitet. Dies kann für einen Schreibanlass genutzt werden, bei dem entweder eine auktoriale Erzählperspektive eingenommen werden kann oder die Textsorte des inneren Monologes trainiert werden kann:

Vickys Herrchen kehrt zurück und an diesem Tag ist alles anders als sonst: Vicky ist spurlos verschwunden und reagiert auch auf Rufe nicht. Schreibe die Ereignisse des Tages aus der Sicht von Vickys Herrchen auf.

Ebenso können die Szenen zwischen den Tieren als Schreibanlass genutzt werden. Hier wird die Textsorte Dialog geübt:

Vicky lernt seine neuen Mitbewohner, die zwei Papageien, kennen. In verschiedenen Szenen scheinen die Papageien und Vicky miteinander zu sprechen. Wähle eine dieser Szenen aus und schreibe das Gespräch zwischen den dreien auf.

Und schließlich bietet sich die aussichtslose Lage Vickys in der Grube als ein wunderbarer Schreibanlass zur Festigung des inneren Monologes an:

Vicky befindet sich in einer scheinbar aussichtslosen und lebensbedrohlichen Lage. Ohne Wasser und Futter ist ein Überleben nicht möglich. Vicky ist außer sich vor Verzweiflung. Schreibe seine Gedanken in einem inneren Monolog nieder.

Vicky nach seinem Sturz in die Grube. Die Erfahrung des Protagonisten leitet die Wende des Films ein. (Antony 2016: 05:36)

 Die Vorführung des Films bis zum Unglück

Hier wird der Film bis zum Sturz und den verzweifelten Rettungsversuchen Vickys gesehen. Bei der Minute 06:03 wird der Film angehalten und die Schüler_innen werden aufgefordert, den Film fortzuschreiben. Eine mögliche Aufgabenstellung kann sein:

Vicky ist in große Not geraten! Ohne lebenswichtiges Wasser und Futter ist Vicky völlig verzweifelt in der Grube gefangen. Eine Rettung aus eigener Kraft ist nicht möglich – niemand weiß, wo Vicky und was ihm zugestoßen ist! Vickys Lage erscheint hoffnungslos. Wie geht es mit Vicky nun weiter? Hilf dem Regisseur, die Geschichte von Vicky zu Ende zu erzählen!

Nachdem einige Schüler_innen ihre Versionen vorgestellt haben, wird das Ende des Films gemeinsam gesehen. Es können Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Schülervarianten und der Originalversion herausgearbeitet werden.

 

 Nach der Filmvorführung

Zitat Nelson Mandela
Abschlussszene des Films Vicky, ein Zitat von Nelson Mandela: „Es gibt nicht so etwas wie eine halbe Freiheit.“ (zit. in: Antony 2016: 09:20)

Der Film Vicky ist ein Plädoyer für die Freiheit der Tiere und letztendlich auch des Individuums. Diese Thematik bietet sich für eine anschließende Diskussion oder einen schriftlichen Kommentar an. Insbesondere das am Ende eingeblendete Zitat von Nelsen Mandela lädt zu einem Kommentar oder einer begründeten Stellungnahme ein.

„So etwas wie eine halbe Freiheit gibt es nicht.“ – Nelson Mandela. Nimm begründet Stellung und gehe dabei auf den Inhalt des Films ein.

 

Fazit

Der Kurzfilm Vicky von Mano Antony ist sowohl inhaltlich als auch von der Länge her sehr gut für den Unterricht geeignet. Er bietet eine Vielzahl an Schreib- und Diskussionsanlässen und kann auf Grund des universellen Themas „Freiheit“ entsprechend angepasst in der Sekundarstufe I und II behandelt werden. Der Protagonist ist ein Sympathieträger, der am Ende des Films durch die traumatische Gefangenschaft in der Grube über sich hinauswächst und die beiden Papageien in die Freiheit entlässt. Der Hund, Sinnbild für bedingungslose Treue und Loyalität, zeigt Zivilcourage und  tritt – auch auf die Gefahr hin, seinen Menschen zu erzürnen -für eines der höchsten demokratischen Güter, die Freiheit, ein und wird dennoch oder gerade deshalb just von seinem Menschen mit einer saftigen Portion Fisch belohnt.

 

Quellenangabe des Films

Antony, Manu (2015): Vicky. Indien. 10 min.

2 thoughts on “Hundekino: Der Kurzfilm Vicky von Manu Antony – ein Plädoyer für die Freiheit

  1. Ein toller Fund und ein großartiges Material für kreative und erörternde Schreibanlässe.
    Danke für deine Überlegungen!

    1. Hallo Meike!

      Vielen Dank für deinen motivierenden Kommentar. Das war tatsächlich ein Zufallsfund, den ich jedoch sogleich wunderbar fand.
      Wenn du den Film irgendwann im Unterricht einsetzt, freue ich mich über eine Rückmeldung.
      Ich hoffe, ihr habt das Wochenende gut überstanden und freue mich auf ein Wiedersehen im PSII.

      Herzliche Grüße vom Käpt´n und Anja

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