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Als Klasse zusammenwachsen und arbeitsfähig werden: Kooperationsspiele, umzusetzen mit oder ohne Hund

Zweimal im Jahr finden an unserer Schule Projektwochen statt, in diesem Schuljahr sind es sogar drei! Neben der Möglichkeit, einen Hundekurs anzubieten sind Projektwochen eine gute Gelegenheit zum einen für die Stärkung der Klassengemeinschaft und zum anderen für die Reflexion der eigenen Arbeitshaltung, denn gelingender Unterricht ist im Wesentlichen von der inneren Haltung aller abhängig. 

Um die Haltung der Schüler*innen zum Unterricht zu reflektieren und gemeinsam mit der Gruppe die fördernden und hemmenden Aspekte für das Erreichen von unterrichtlichen Zielen herausarbeiten, eignen sich wunderbar Kooperationsspiele. 

Was sind Kooperationsspiele?

Kooperationsspiele sind Spiele, die die Gruppe vor eine herausfordernde Aufgabe stellen, die sie nur gemeinsam bewältigen können. Es geht hier explizit nicht um das Gewinnen oder um Wettbewerb, sondern um das gemeinsame Erreichen eines definierten Zieles. Hierbei muss jede Schüler*in mit ihrer Individualität vom Rest der Gruppe mitgenommen und getragen werden. Ziele des Trainings sind gemäß Klein (2006: 116) also zum einen: 

  • Das gegenseitige Kennenlernen und 
  • das Entstehen von Vertrauen,

aber auch das Fördern und Herausbilden 

  • der Fähigkeit, sich und andere in ihrer Individualität wahrnehmen und akzeptieren zu können
  • der Bereitschaft, einander zu helfen und zu kooperieren sowie
  • der Annahme und des Gebens von Rückmeldungen. 

Ist ein Hund in der Klasse oder Lerngruppe anwesend, kann auch dieser in die Kooperationsspiele integriert werden. Hierzu sind jedoch im Vorab einige Parameter zu beachten. 

Kooperationsspiele mit Hund 

Hund und Mensch auf Board
Bild von Pexels auf Pixabay

Hunde sind Weltmeister der Kooperation. Seit jeher haben sich Hunde auf die artübergreifende Zusammenarbeit mit dem Menschen spezialisiert. Was zunächst ein zweckmäßiges Verhältnis war, wurde ein zunehmend innigeres und der moderne Hund pflegt die ungewöhnlichsten Hobbys mit seinen Menschen. Hierbei sind die meisten Hunde allein schon durch die Interaktion mit der Bezugsperson intrinsisch motiviert. Dem Hund geht es oft nicht um die Sache, sondern um die Gemeinsamkeit. Heute ist der Hund nicht nur Mitglied von Familien, sondern oft auch von Klassengemeinschaften. Warum den Hund also nicht auch in Kooperationsspiele integrieren?

Insbesondere bei Abenteuerspielen geht es oft darum, sich als Gruppe aus einer Notsituation zu befreien. Beispielhaft sei dort das unten aufgeführte Spiel „Moorgeister“ genannt. Gelingt es, in diese oder ähnliche Spiele einen Hund zu integrieren, vermittle ich den Schüler*innen implizit eine wertschätzende Haltung Tieren gegenüber. Auch sie verdienen es, aus Notsituationen gerettet zu werden und dabei muss auf ihre besonderen Bedürfnisse und Eigenheiten eingegangen werden. 

Soll der Hund in die Kooperationsspiele integriert werden, muss er auf diese Situation außerordentlich gut vorbereitet werden. Für die Hundeführer*in bedeutet dies einen erheblichen, dem eigentlichen Event vorausgehenden Trainingsaufwand, damit der Hund nicht in einen Konflikt zwischen eine ihn erwartende Belohnung und eine ihn möglicherweise überfordernde Aufgabe geführt wird. Das bedeutet, der Hund sollte zu jeder Zeit des Spiels entspannt und gelassen die Aufgabe bewältigen können. 

Die vom Hund erwarteten Verhaltensweisen müssen also explizit vorher auftrainiert werden. Dabei ist – wie bei jedem anderen Training mit dem Hund auch – von aversiven Methoden zu abzusehen. Sie haben weder im Alltag noch in der hundegestützten Arbeit etwas zu suchen. Da sich die Schüler*innen, welche den Hund führen, während eines Spieles möglicherweise ändern, sollte zudem ein Übergaberitual sehr gut etabliert sein, sodass während des Spiels dem Hund immer klar ist, wer ihn gerade führt und an wem er sich orientieren kann. Des Weiteren bietet sich im Voraus der Aufbau eines Distanzmarkers an, sodass die Bezugsperson des Hundes dem Vierbeiner eine Rückmeldung geben kann, ohne dabei die Aufmerksamkeit des Hunde umzuorientieren. 

Drei Kooperationsspiele, jeweils als Variante mit und ohne Hund

In diesem Abschnitt stelle ich dir stellvertretend für unzählige Kooperationsspiele drei einfach umzusetzende Spiele vor. Es bedarf bei zwei Spielen ein wenig Vorbereitung, die sich aber auf jeden Fall lohnt. Die Targets aus dem Spiel Moorgeister kannst du z.B. auch hervorragend beim Hundetraining oder beim Schulhundeinsatz als Stand-By-Decke verwenden! 

Schreib mir doch in die Kommentare, welche Kooperationsspiele du kennst und gerne einsetzt? 

Spiel 1: Nitroball (auch Balltransport, Bulltransport, Atomtransport)

Ein Ball muss auf einem Ring, an dem Schüre befestigt sind, von einem Startpunkt zu einem Zielpunkt transportiert werden. Die Spielbeschreibung mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden sowie Modifikationen, wenn ein Klassen- oder Gruppenhund integriert werden soll, kannst du hier herunterladen:   Download Nitroball

Spiel 2: Seillauf

Die gesamte Gruppe muss von einer Seite eines schwingenden Seils auf die andere gelangen. Das Seil darf nicht berührt werden. Zur Spielanleitung kommst du über den Button:    Download Seillauf

Spiel 3: Moorgeister

Die Gruppe muss sich von einer Insel auf das Festland retten. Der Hund muss unbedingt mit! Zum Glück gibt es einige wenige Moorplatten, die betreten werden dürfen… Die Spielanleitung steht nach einem Klick auf den Button zur Verfügung:    Download Moorgeister

Kooperationsspiele als Werkzeug einer Klassenlehrer*in

Für mich sind Kooperationsspiele ein wesentliches Werkzeug in meiner Werkzeugkiste als Klassenlehrerin. Sie helfen mir, die Gruppendynamik und Klassenatmosphäre nachhaltig positiv zu beeinflussen und mit der Klasse über fördernde und hemmende Parameter beim gemeinsamen Lernen ins Gespräch zu kommen. Außerdem stellen sie eine Vorbereitung auf das Berufsleben dar, denn gerade bei der Suche nach Auszubildenden setzt die Personalabteilung bei ihrer Auswahlverfahren zunehmend auf Kooperationsaufgaben. Dies gilt insbesondere für Berufe, in denen Team- und Kooperationsfähigkeit von besonderer Bedeutung ist. 

Weiterführende Literatur

Hast du nun Lust auf mehr bekommen, dann schau dir die hier aufgeführte Literatur einfach ein wenig an. Vielleicht ist etwas für dich dabei. Auch freue ich mich, wenn du weitere, hier nicht aufgeführte Literatur in den Kommentaren empfiehlst!

Kooperationsspiele und Erlebnispädagogik

Gilsdorf, Rüdiger et al. (2018, 2000, 2013): Kooperative Abenteuerspiele 1-3. Hannover: Klett/Kallmeyer-Verlag

Klippert, Heinz (2019): Teamentwicklung im Klassenzimmer. Weinheim: Beltz

Seiler, Daniel (2021): Der Jugendleiterblog. https://www.jugendleiter-blog.de Erfurt. Letzter Zugriff: 13.08.2021

Stockert, Norbert (2013):  Die 50 besten Kooperationsspiele. München: Don Bosco Verlag

Klassenlehrer*in

Christiani, Reinhold et al. (2007): Fundgrube Klassenführung – Das Nachschlagewerk für jeden Tag. Berlin: Cornelsen

Diephold, Siga et al. (Hrsg.) (2006): Fundgrube Klassenlehrer. Berlin: Cornelsen

Friedrichs, Birte et al. (2013): Das Klassenlehrer-Buch für die Sekundarstufe: Mit Kopiervorlagen und Online-Materialien. Weinheim: Beltz

Klein, Kerstin (2006): KlassenlehrerIn sein. Das Handbuch. Strategien, Tipps, Praxishilfen. Iserlohn: Verlag an der Ruhr. 

Bildnachweis

Bild von Rudy and Peter Skitterians auf Pixabay

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